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18.08.2009 16:29

Deutschland, Deine Teenager außer Kontrolle

Eine verwegene Hoffnung. Das Fernsehen hat sie jetzt zunichte gemacht. Am Montag ist bei Pro Sieben die Doku-Soap "U 20 – Deutschland Deine Teenies" angelaufen. Und wie nicht anders zu erwarten war, bedient der Sender schlimmste Klischees. Neben den pubertierenden Jugendlichen aus dem Fernsehen fühlte sich noch der pickeligste Punks wie ein Pennäler. Schließlich untertrieb der Sender noch, als er die Richtung seiner neuen Doku-Soap wie folgt skizzierte: "Rumhängen, rebellieren, randalieren: Wenn laute Musik hinter Türen dröhnt, die Telefonrechnung dramatisch steigt und brave Kinder plötzlich null Bock auf gar nichts haben, ist es soweit: Die Pubertät setzt ein."

Wie gut, dass es das Fernsehen gibt. Die Kamera ist dabei, wenn sich Alexandra, 15, mit Händen und Füßen dagegen wehrt, ins Internat abgeschoben zu werden. Wenn Christina, 18, ihre Essstörungen in den Griff bekommt, oder wenn der bereits vorbestrafte David,15, von zu Hause auszieht, um sich alleine durchzuboxen.

Sie ist ihre Verbündete im Kampf gegen Handy-Verbote oder Stuben-Arrest. Sie ermutigt die Protagonisten, ihren Erzeugern Sätze an den Kopf zu knallen, die in der Hölle mit Handy-Verbot nicht nur acht Monaten bestraft werden. "Lino Maximilian, Essen ist fertig", ruft Marianne, 53, ihrem pubertierenden Sohn zu. Der 17-Jährige ist peinlich berührt. "Ich mach Dich fertig", entfährt es ihm.

In einer Folge wurde das Publikum Zeuge, wie sich Sandra, 18, auf wundersame Weise von einer Couch-Potatoe in eine dynamische Bäckereifachverkäuferin verwandelte. Was insofern bemerkenswert war, als das Mädchen schon vor einiger Zeit von zu Hause ausgezogen war. Statt gegen ihre Mama rebellierte sie gegen ihre Mitbewohnerin, ihre nicht minder vernünftige Zwillingsschwester Maria. Während die artig ihre Mittlere Reife nachholte, blieb Sandra im Bett, um sich von den Folgen nächtlicher Saufgelage zu erholen. Sehr zum Ärger ihrer Schwester, die ihr vorwarf, sie verbrate ihr Harz IV-Geld lieber für Wodka als für Strom.

Es leuchtete jedoch nicht ganz ein, warum Sandra sich auf dem Höhepunkt des Zickenkriegs in eine Drama-Queen verwandelte: "Du stresst mich, Aldder. Kümmer Dich um Deinen Dreck - und dann is' gut, ey." Vermutlich stand hinter der Kamera eine gute Fee, die mit einem Bündel von Geldscheinen winkte. Vermutlich legte der Sender für jede Beleidigung noch 50 Euro drauf.

Ebenso wenig leuchtete ein, warum schon ein Machtwort von Mama Petra reichte, um Sandra zu bewegen, endlich ihren Hintern in Bewegung zu setzen und sich um eine Lehrstelle zu bewerben . Hatte der Hinweise genügt, dass der geliebte Vater, heute in seiner kubanischen Heimat als Alkoholiker auf der Straße lebt? Oder hatte Pro Sieben mit einem Hunderter nachgeholfen?


Die Story, so schien es, war von vorne bis hinten inszeniert. Es ging darin nur um Rande ums Erwachsenwerden. In erster Linie verriet sie, nach welchen Mechanismen das Medium Fernsehen funktioniert. Oder ist das eine mit dem anderen jetzt schon identisch?


*stammt nicht von mir,sondern von einer jungen Dame,die echt bemerkt hatte,das die ganzen dokus,ziemlich gespielt sind*

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