Eine verwegene Hoffnung. Das Fernsehen hat sie jetzt zunichte gemacht. Am Montag ist bei Pro Sieben die Doku-Soap "U 20 – DeutschlandDeine
Teenies" angelaufen. Und wie nicht anders zu erwarten war, bedient der
Sender schlimmste Klischees. Neben den pubertierenden Jugendlichen aus
dem Fernsehen fühlte sich noch der pickeligste Punks wie ein Pennäler.
Schließlich untertrieb der Sender noch, als er die Richtung seiner
neuen Doku-Soap wie folgt skizzierte: "Rumhängen, rebellieren,
randalieren: Wenn laute Musik hinter Türen dröhnt, die Telefonrechnung
dramatisch steigt und brave Kinder plötzlich null Bock auf gar nichts
haben, ist es soweit: Die Pubertät setzt ein."
Wie gut, dass es das Fernsehen gibt. Die Kamera ist
dabei, wenn sich Alexandra, 15, mit Händen und Füßen dagegen wehrt, ins
Internat abgeschoben zu werden. Wenn Christina, 18, ihre Essstörungen
in den Griff bekommt, oder wenn der bereits vorbestrafte David,15, von
zu Hause auszieht, um sich alleine durchzuboxen.
Sie ist ihre Verbündete im Kampf gegen Handy-Verbote oder
Stuben-Arrest. Sie ermutigt die Protagonisten, ihren Erzeugern Sätze an
den Kopf zu knallen, die in der Hölle mit Handy-Verbot nicht nur acht
Monaten bestraft werden. "Lino Maximilian, Essen ist fertig", ruft
Marianne, 53, ihrem pubertierenden Sohn zu. Der 17-Jährige ist peinlich
berührt. "Ich mach Dich fertig", entfährt es ihm.
In einer Folge wurde das Publikum Zeuge, wie sich Sandra, 18, auf
wundersame Weise von einer Couch-Potatoe in eine dynamische
Bäckereifachverkäuferin verwandelte. Was insofern bemerkenswert war,
als das Mädchen schon vor einiger Zeit von zu Hause ausgezogen war.
Statt gegen ihre Mama rebellierte sie gegen ihre Mitbewohnerin, ihre
nicht minder vernünftige Zwillingsschwester Maria. Während die artig
ihre Mittlere Reife nachholte, blieb Sandra im Bett, um sich von den
Folgen nächtlicher Saufgelage zu erholen. Sehr zum Ärger ihrer
Schwester, die ihr vorwarf, sie verbrate ihr Harz IV-Geld lieber für
Wodka als für Strom.
Es leuchtete jedoch nicht ganz ein, warum Sandra sich auf dem
Höhepunkt des Zickenkriegs in eine Drama-Queen verwandelte: "Du stresst
mich, Aldder. Kümmer Dich um Deinen Dreck - und dann is' gut, ey."
Vermutlich stand hinter der Kamera eine gute Fee, die mit einem Bündel
von Geldscheinen winkte. Vermutlich legte der Sender für jede
Beleidigung noch 50 Euro drauf.
Ebenso wenig leuchtete ein, warum schon ein Machtwort von Mama
Petra reichte, um Sandra zu bewegen, endlich ihren Hintern in Bewegung
zu setzen und sich um eine Lehrstelle zu bewerben . Hatte der Hinweise
genügt, dass der geliebte Vater, heute in seiner kubanischen Heimat als
Alkoholiker auf der Straße lebt? Oder hatte Pro Sieben mit einem
Hunderter nachgeholfen?
Die Story, so schien es, war von vorne bis hinten inszeniert. Es ging
darin nur um Rande ums Erwachsenwerden. In erster Linie verriet sie,
nach welchen Mechanismen das Medium Fernsehen funktioniert. Oder ist
das eine mit dem anderen jetzt schon identisch?
*stammt nicht von mir,sondern von einer jungen Dame,die echt bemerkt hatte,das die ganzen dokus,ziemlich gespielt sind*